Ich möchte mich mal zurückmelden mit einem speziellen Beitrag zum Rollenspieluniversum zu Gothic. Drei Spiele inklusive Add ons haben wir bisher dazu bekommen, mehr oder weniger erfolgreich, mehr oder weniger geliebt, und dennoch "unser" Gothic, ohne das ich mir die Rollenspielwelt im Gesamten nicht vorstellen kann. Insbesondere Teil 1 und 2 haben meine Rollenspielerfahrung nachhaltig geprägt und gehören nach wie vor zu meinen Lieblingsspielen.
Und dennoch, es gibt etwas, das mir in diesem Universum nie behagt hat, und das ist der Umgang mit dem Thema "Frauen". Denn im Gegensatz zu anderen Rollenspielen war die Welt von Gothic wenig fortschrittlich, um nicht zu sagen rückständig. Schaut man sich mal die Rolle der Frau an - einschließlich der Tatsache des nicht wählbaren Spielcharakters, der ausnahmslos männlich ist - dann ist das eigentlich, genau genommen, erschreckend, welches Bild uns die Macher bescheren. Zwar wird angegeben, das sei aufgrund des Budgets nicht möglich gewesen, aber na ja, warum geht und ging es dann bei allen anderen Rollenspielen?
Frauen sind in der Gothic Welt wirklich nur Staffage. Sie spielen absolut keine Rolle, nichts tragendes, sie waren stets nur NPCs, die höchstens mal eine Quest vergaben und Standardsätze lallten, Interaktion - Fehlanzeige. Für mich ist es allzu leicht und billig, das auf das Budget zu schieben, was scheinbar immer genau an den Frauen hakte, vielmehr scheint es, was andere schon anprangerten, daß die Gothic Macher tatsächlich nichts mit Frauen am Hut hatten und ihnen die konservativste Rolle gaben, die nur möglich war - gar keine. Für mich ein Trauerspiel.
Tja, da mögen die Geschmäcker verschieden sein, aber wenn ich in Rollenspielen wählen kann spiele ich grundsätzlich eine Frau. Ich liebe es, wenn Heldinnen den Männern zeigen, wo der Hammer hängt, und ihnen eins auf die Nase geben, das vermeintlich schwache Geschlecht als treibende Kraft zur Rettung der Rollenspielwelten. Genau da klemmt es aber in der Gothic Serie, doch nun haben die Macher für ihr neues Projekt - Risen - Besserung gelobt.
Toll, möchte man meinen. Doch wie sieht diese Besserung nun aus? Nach allem, was bisher bekannt ist, sehe ich erst mal kaum eine Besserung. Natürlich ist der Held wieder nicht wählbar und wieder männlich, wie sich das für Piranha Bytes "gehört". Aber gleich zu Anfang findet der Held eine Frau, die ihm zeigt wo es langgeht, ihm alles erklärt und Quests vergibt.
Oho, eine Frau, die sprechen kann? Das ist ja wirklich ein Fortschritt, der Held kann zumindest am Anfang mit einer Frau interagieren. Und danach? Hm, tja, was die bisherigen Infos hergeben kann ich keine Besserung sehen. Frauen sind wieder normale Questgeber, und zur weiteren Interaktion gibt es ein Bordell, wo man - wie in Gothic 2 - eine Frau "mieten" kann, damit sich der Held schöne Stunden macht...
Phänomenal. Heldinnen also weiter Fehlanzeige, dafür kommen die leichten Mädchen aus Gothic 2 zurück. So viel zur Besserung der Macher, ich schüttle da mal den Kopf. Bestimmt bin ich kein Anhänger von Feminismus, aber was hier geboten wird ist schlicht zu wenig. Ich hatte wirklich gehofft, das würde sich auch bei Piranha Bytes mal ändern, aber vorerst - auch bei Risen - scheint trotz gegenteiliger Beteuerung alles beim alten zu verbleiben. Es sei denn, wir wissen noch nicht alles, und es folgen doch noch große Überraschungen. doch ich glaube, das darf stark bezweifelt werden...